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Warum ich auf Licht warte

17.12.2024, Daniel Lange

Ama Dablam im Abendlicht, Himalaya

Die meisten Leute fragen mich nach der Kamera. Die ehrlichere Antwort auf die Frage, wie ein Bild entsteht, hat aber nichts mit Technik zu tun: Ich plane meine Touren nach Licht und Wetter, nicht nach Sehenswürdigkeiten.

Das klingt nach einer Floskel, bis man merkt, was es praktisch bedeutet. Ich stehe an einem Ort, an dem andere zehn Minuten fotografieren und weiterfahren, und bleibe. Für ein einziges Motiv warte ich auch mal drei Tage. Manchmal komme ich im nächsten Jahr wieder.

Was passiert, während man wartet

Ein Gletscherfluss in Island sieht bei bedecktem Himmel aus wie grauer Sand mit Wasser darin. Eine Stunde später, wenn die Sonne flach steht, zeichnen dieselben Rinnsale plötzlich Linien in den schwarzen Sand, und aus einer Landschaft wird eine Grafik.

Die Wände des Ama Dablam sind den ganzen Tag über da. Aber nur in den ersten Minuten nach Sonnenaufgang liegt das Licht so flach auf ihnen, dass man sieht, wie steil sie wirklich sind.

Die Staubfahne einer Zebraherde in der Serengeti gibt es nur, wenn die Tiere laufen, und nur dann, wenn die Sonne von der richtigen Seite hineinleuchtet. Beides zusammen dauert vielleicht zwanzig Sekunden.

Warten heißt in diesen Fällen nicht Nichtstun. Ich bin da, wenn der Moment kommt, der die Aufnahme von einem Schnappschuss unterscheidet.

Warum von oben

Viele meiner Aufnahmen entstehen senkrecht über dem Motiv. Aus dieser Perspektive verliert eine Landschaft ihren Maßstab. Man sieht keinen Fluss mehr, sondern eine Verästelung. Aus dem Lavafeld wird eine Farbfläche.

Der Moment, in dem ein Foto aufhört, eine Landschaft zu zeigen, und anfängt, ein Muster zu sein, interessiert mich am meisten. Er klappt nur, wenn Licht, Wetter und Blickwinkel zusammenkommen. Deshalb warte ich.

Und dann?

Am Rechner nehme ich eher zurück, als etwas hinzuzufügen. Ich setze Kontraste, entferne Farbstiche und arbeite Details heraus, die das Auge vor Ort gesehen hat. Farbspielereien gibt es bei mir nicht.

Gedruckt wird erst, wenn jemand bestellt, einzeln, auf Hahnemühle-Papier. Kein Lager, keine Auflage. Dafür gibt es einen praktischen und einen ideellen Grund. Ein Bild, für das ich drei Tage gewartet habe, soll nicht stapelweise herumliegen.

Wenn du wissen willst, welches Motiv in deinen Raum passt, schreib mir die Wandbreite. Dann melde ich mich mit einer Empfehlung.